VORARLBERG, NOTFÄLLE

Qualifizierte pflegerische Unterstützung ist tragende Säule moderner Notfallmedizin

Die Ärztekammer für Vorarlberg kritisiert die von Land und KHBG geplanten Einsparungen bei den Notfall-Einsatzteams. Künftig sollen ja in den Notarzt­einsatzfahrzeugen (NEF) keine diplomierten Pflegekräfte mehr mitfahren.

„Der gehobene Pflegedienst im NEF-Dienst ist kein verzichtbarer Komfort oder organisatorischer Luxus, sondern ein sicherheitsrelevanter Kernbestandteil des präklinischen Notfallkonzepts“, hält Alexander Loibnegger, Vizepräsident und Kurienobmann der angestellten Ärzt:innen in der Vorarlberger Ärztekammer fest. In hochkomplexen Einsatzsituationen ermögliche er das rasche, strukturierte und sichere Handeln, das die Arbeit der Notärztin beziehungsweise des Notarztes auf dem heutigen Qualitäts- und Sicherheitsniveau überhaupt möglich macht.

„Wer diese Struktur infrage stellt, stellt damit nicht nur ein bewährtes Einsatzkonzept, sondern unmittelbar auch die Patientensicherheit zur Diskussion“, kritisiert Loibnegger. „Qualifizierte pflegerische Unterstützung ist kein Zusatz, sondern eine tragende Säule moderner Notfallmedizin.“ Den Verweis auf andere Bundesländer, in denen ebenfalls keine diplomierten Pflegekräfte für Notarzt-Einsätze herangezogen würden, lässt der Kurienobmann nicht gelten: Es dürfe bei allen gebotenen Sparmaßnahmen nicht so weit kommen, dass sich das Land in der medizinischen Versorgung seiner Bevölkerung an niedrigeren Sicherheits- und Qualitäts-Standards orientiert.

Im Gegenteil müsse dringend in Qualität und Sicherheit investiert werden. „Die Notärztinnen und Notärzte fordern schon lange eine Verbesserung der Ausbildung für Notfallsanitäterinnen und -sanitäter – nicht nur in Vorarlberg, sondern in ganz Österreich“, sagt Loibnegger. Bei unseren direkten Nachbarn Schweiz, Liechtenstein und Deutschland dauere die Ausbildung dazu zurecht an die drei Jahre, bei uns nur einige Monate. Hier die Qualität zu erhöhen, sei bisher aber am Unwillen der Politik gescheitert, ärgert sich der Ärztekammer-Vizepräsident.

Und noch etwas gibt Loibnegger zu bedenken: Bisher sei der NEF-Einsatz für das diplomierte Anästhesie- und Intensivpflegepersonal nicht nur ein willkommenes finanzielles Zubrot gewesen, sondern für viele – insbesondere Junge – auch ein spezieller Anreiz. „Mit der geplanten Einsparung wird nun auch dieser Beruf für einige ein wenig unattraktiver. Angesichts des Personalmangels in den Pflegeberufen ist das wenig vorausschauend“, sagt Loibnegger.        

Der Kritik an den geplanten Einsparungen bei den Notfall-Einsatzteams schließt sich auch Anton Kohler, Vorsitzender des Betriebsrates am LKH Feldkirch, an.