Kassensystem stärken statt Wahlärzt:innen deckeln
VORARLBERG, WAHLÄRZTE
Vorarlberger Ärztekammer lehnt Reglementierung des freien Arztberufs ab
Die von Gesundheitsministerin Korinna Schumann angedachte Begrenzung der Wahlarzthonorare stößt in der Ärztekammer für Vorarlberg auf scharfe Kritik: „Die erneuten Angriffe auf das Wahlarztsystem sind populistisch und lösen die strukturellen Probleme im Gesundheitssystem in keiner Weise“, stellt Ärztekammer-Präsident Dr. Burkhard Walla fest. Anstatt Wahlärzt:innen zu deckeln brauche es dringend Maßnahmen, um das Kassensystem wieder attraktiver zu machen.
Kritik kommt auch von Dr. Alexandra Rümmele-Waibel, Kurienobfrau der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte: „Staatliche Reglementierungen des Wahlarztsystems werden keine einzige zusätzliche Kassenstelle schaffen.“ Man könne die oft langen Wartezeiten bei den ausgelasteten Kassenärzten nicht verkürzen, indem man das Wahlarztsystem schwächt. „Wahlärztinnen und Wahlärzte in Vorarlberg sind seit langem systemrelevant und aus der flächendeckenden Gesundheitsversorgung der Bevölkerung nicht mehr wegzudenken“, sagt Rümmele-Waibel. Mit der nun angedachten Deckelung der Honorare würde man das gesamte System weiter schwächen.
Präsident und Kurienobfrau weisen auch den von Ministerin Schumann erhobenen Vorwurf der Intransparenz bei den Wahlarzt-Tarifen zurück. Wahlärztinnen und Wahlärzte in Vorarlberg würden ihre Honorare den Patientinnen und Patienten vor einer Untersuchung klar kommunizieren. Zusätzlich ist seit vielen Jahren auf der Website der Vorarlberger Ärztekammer ein Katalog mit Empfehlungstarifen veröffentlicht, der für die gesamte Bevölkerung einsehbar ist. Transparenz sei gegeben, staatliche Preisvorschriften brauche es nicht, sagen Walla und Rümmele-Waibel. Außerdem wäre es ein massiver Eingriff, wenn man einem freien Beruf seitens des Staates seine zulässigen Honorare vorschreibt.
Für Präsident und Kurienobfrau der Vorarlberger Ärztekammer steht jedenfalls fest: Bund und Sozialversicherungsträger müssen dringend das Kassensystem durch mehr Kassenstellen, attraktive Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie stärken. „Es braucht Investitionen in die medizinische Versorgung der Vorarlberger Bevölkerung und keine Reglementierungen und Deckelungen“, sagt Kurienobfrau Alexandra Rümmele-Waibel. „Die Vorarlberger Ärztekammer fordert eine sachliche Diskussion über nachhaltige Strukturreformen anstelle von Debatten über Honorarbegrenzungen, die dem System mehr schaden als nützen“, sagt Präsident Burkhard Walla.