VORARLBERG, AUSBILDUNG

Vorarlberger Ärztekammer kritisiert Umgang mit Jungmediziner:innen

„Eine verantwortungsvolle und vorausschauende Personalpolitik für unsere Spitäler sieht anders aus“, kritisiert Burkhard Walla, Präsident der Ärztekammer für Vorarlberg. Wie der ORF heute berichtet, gibt es massive Einschnitte bei der Einstellung von jungen Medizinerinnen und Medizinern für die Basisausbildung an den heimischen Krankenhäusern – nicht zuletzt aus Kostengründen. „Das gefährdet die künftige Gesundheitsversorgung der Bevölkerung“, sagt Walla.

Das Problem besteht schon länger. Die ersten 5 Fälle sind bereits Anfang des Jahres der Ärztekammer bekannt geworden. Dabei wurde den betroffenen Mediziner:innen trotz verbindlicher Einstellungszusage abgesagt. Dieses Vorgehen wurde nach massiver Intervention durch die Ärztekammer eingestellt. Die Betroffenen mussten aber teils einen verspäteten Einstellungsbeginn hinnehmen, was auch zu wirtschaftlichen Folgen für die betroffenen Ärzt:innen geführt hat. Eine der betroffenen Personen hat aufgrund dieser Umstände abgesagt. „Mittlerweile sind uns weitere 15 solcher Fälle bekannt, in denen Jungmediziner:innen eine Einstellungszusage für Herbst 2026 beziehungsweise Frühjahr 2027 erhalten haben, diese nun aber nicht eingehalten werden soll“, sagt Walla. Abgesehen von diesen Fällen dürften inzwischen bereits viele Dutzend Bewerberinnen und Bewerber für die Basisausbildung eine Absage bekommen haben. Derzeit dürfte die Wartezeit auf einen Basisausbildungsplatz in Vorarlberg etwa eineinhalb bis zwei Jahre betragen.

Keine Ausbildung trotz dringendem Bedarf
Die von Ärztekammer, Land Vorarlberg und ÖGK beauftragte Ärztebedarfsstudie aus dem Jahr 2023 zeigt demgegenüber eines klar auf: Vorarlberg braucht bis zum Jahr 2030 mindestens 135 zusätzliche Ärztinnen und Ärzte, nur um den Status quo der aktuellen medizinischen Versorgung halten zu können. „Wir brauchen also dringend und schnell mehr Medizinerinnen und Mediziner. Wenn Land und Spitalsverantwortliche den Uniabsolventinnen und -absolventen jetzt aus angeblichem Platzmangel und budgetären Gründen die medizinische Ausbildung verwehren, wird das System bald kippen“, warnt Walla.

„Wie hier im Land mit jungen Medizinerinnen und Medizinern umgegangen wird, spricht sich bereits an Medizinischen Universitäten in Österreich herum“, sagt Luca Gallastroni, Sprecher der Ausbildungsärzt:innen in der Vorarlberger Ärztekammer: „Die Spitäler im Land verlieren damit ihren guten Ruf als Ausbildungsstätten.“

„Wir haben sowohl dem Land als auch dem Spitalsmanagement eindringlich erklärt, dass diese Vorgehensweise nicht akzeptabel ist“, sagt Alexander Loibnegger, Kurienobmann der angestellten Ärzt:innen in der Vorarlberger Ärztekammer: „Auf der einen Seite gibt es immer mehr Spitalsabteilungen, an denen zunehmend Fachpersonal fehlt und deshalb auch die Wartezeiten für Operationen immer länger werden, und auf der anderen Seite verweigern Krankenanstalten im Land dem dringend benötigten Nachwuchs die Ausbildungsplätze.“ Und die große Pensionierungswelle in den Spitälern beginnt gerade.

Seit mehr als einem Jahrzehnt wird jungen Maturantinnen und Maturanten vermittelt, dass ihnen – sofern sie die medizinische Aufnahmeprüfung bestehen – der Weg in den ärztlichen Beruf und damit auch eine Anstellung im Krankenhaus offensteht. Zugleich wird politisch immer wieder gefordert, die Zahl der Medizinstudierenden zu erhöhen, um den ärztlichen Bedarf decken zu können. „Der Sparstift zeichnet jedoch ein gegenteiliges Bild“, ärgert sich Loibnegger: „Erstmals seit Jahrzehnten gibt es wieder Wartelisten für junge Ärztinnen und Ärzte. An die Stelle des erhofften ärztlichen Berufsweges treten zunächst Überbrückungsjobs im Callcenter, als Taxifahrer oder in der Gastronomie. So motiviert und rekrutiert man keinen Nachwuchs, so spart man das Gesundheitssystem kaputt.“