SPITALSREFORM

Die aktuelle Bewerbersituation entlarvt die jahrelangen politischen Forderungen nach immer mehr Studienplätzen als populistische Scheinlösung. Trotz klarer Hinweise von Expert:innen, dass die Zahl der Studienplätze ausreichend ist, werden alte Fehler wiederholt. Die Folgen sind bekannt – und dennoch wieder Realität: überfüllte Wartelisten, monatelange Wartezeiten auf Ausbildungsplätze und hochqualifizierte Absolvent:innen, die sich mit Zwischenjobs im Callcenter oder bei H&M über Wasser halten müssen. Ein Armutszeugnis für ein System, das gleichzeitig über akuten Ärztemangel klagt.

Trotz konkreter Stellenzusagen kam es zu Jahresbeginn zu kurzfristigen Absagen und Verschiebungen für angehende Basisärzt:innen. Erst durch massiven Druck konnten wir diese Fehlentwicklungen teilweise verhindern oder zumindest abfedern. Klar ist dabei: Die Vorarlberger Ärztekammer und die Kurie der angestellten Ärzte vertreten konsequent auch jene Kolleg:innen und Studierenden, die formell noch nicht in der Ärzteliste stehen – weil Interessenvertretung nicht erst mit Bürokratie beginnt, sondern mit Verantwortung.

Umso erfreulicher ist, dass dieses Problem auch einen Durchbruch ermöglicht hat: Erstmals wird ein gemeinsames landesweites Assessment über alle Spitäler hinweg eingeführt – für die KHBG ebenso wie für das KH Dornbirn. Eine zentral geführte Datenbank mit transparentem Punktesystem soll künftig die Warteliste steuern. Das anschließende Onboarding erfolgt gemeinsam mit allen Systempartnern. Definierte Ärztinnen und Ärzte übernehmen dabei eine Schlüsselrolle in Rotation, Ausbildung und Evaluation. Das ist ein echter Meilenstein – und zeigt, was möglich ist, wenn Partikularinteressen überwunden werden.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Land Vorarlberg wurde deutlich vertieft. Positiv hervorzuheben ist die Einbindung der Ärztekammer als Systempartner auf Landesebene sowie des Zentralbetriebsrats und der Betriebsräte vor Ort in die anstehende Strukturreform. Transparenz, Mitsprache und gemeinsame Verantwortung sind hier keine Schlagworte mehr, sondern gelebte Praxis.

Ein zentraler Kritikpunkt bleibt jedoch: Ein Gesundheitssystem lässt sich auch kaputtsparen. Was heute als kleine Budgetbremse beginnt, wird morgen zu einem massiven Versorgungsproblem. Wenn wir jetzt sparen, entsteht ein Knoten, der in wenigen Jahren so metastasiert, dass er kaum noch behandelbar ist. Sparmaßnahmen sind nur dann akzeptabel, wenn sie nachvollziehbar, fair verteilt und nachhaltig sind – nicht demotivierend, perspektivenlos und strukturell zerstörerisch. Reformen müssen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genauso wie für Patientinnen und Patienten als echte Weiterentwicklung erkennbar sein – und nicht als schleichender Substanzabbau.