RSG 2030

Die Strukturreform der Vorarlberger Krankenhauslandschaft ist unbestritten notwendig – die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt. Die jüngsten Ereignisse, Kundgebungen und Medienberichte zeigen jedoch auch deutlich: Über die Art und Weise, wie diese Reform umgesetzt werden soll, gehen die Meinungen teils diametral auseinander und die Emotionen kochen hier und dort immer noch hoch.

Die Pläne des Landes liegen nun auf dem Tisch, ebenso die Stellungnahme der Ärztekammer, die nicht sonderlich positiv ausfällt. Allerdings – das muss auch gesagt werden – derzeit ist die Reform noch eine Willensbekundung auf Papier, handfester wird dann deren Umsetzung, bei der noch einige Änderungen notwendig werden dürften. Die Ärzteschaft jedenfalls unterstützt die Reform, wenn sie denn sinnvoll ist, möchte aber gleichzeitig als aktive Gestalterin an der Zukunft unseres Gesundheitswesens mitwirken.

Neben der baulichen und organisatorischen Neugestaltung wünschen sich viele Kolleginnen und Kollegen eine längst überfällige Modernisierung interner Abläufe und Strukturen. Neue Gebäude allein werden nicht ausreichen, um die kommenden Herausforderungen zu bewältigen. Ein zeitgemäßes Personal-, Ausbildungs- und Organisationskonzept muss daher parallel zur Umsetzung des RSG 2030 entwickelt und verankert werden.

Die Ärztebedarfsstudie weist den dringenden Bedarf von 135 zusätzlichen Facharztstellen aus, nur um das Versorgungsniveau von 2023 zu halten. Gleichzeitig arbeiten die Kolleginnen und Kollegen in vielen Fächern bereits an der Belastungsgrenze. Der aktuelle Entwurf des RSG 2030 bildet diesen Personal- und Ausbildungsbedarf nur unzureichend ab und stützt sich teilweise auf veraltete oder unvollständige Datengrundlagen. Realistische Alternativmodelle und eine schlüssige Standortlogik fehlen bislang.

Unmittelbar umsetzbar wäre eine gezielte Entlastung von nichtärztlichen Tätigkeiten und überbordender Dokumentation – Studien zeigen, dass bis zu 21 Prozent der Lohnkosten ausschließlich dafür aufgewendet werden. Wir brauchen eine klare Strategie für einen Skill-/Grade-Mix, digitale Prozessunterstützung und qualitätssichernde Strukturen am neuen Campus und in der Fläche.

Wir bekennen uns nicht nur zur Verantwortung, die Gesundheitsversorgung aufrechtzuerhalten – Tag und Nacht, an Wochenenden und Feiertagen. Die Ärzteschaft bekennt sich auch gleichermaßen zu ihrer Rolle als Mitgestalter des Systems, das wir mit großem Einsatz tragen und weiterentwickeln. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen besinnliche Weihnachten und ein gutes neues Jahr.