Verbesserungen: Aller guten Dinge sind drei
SPITALSCAMPUS
Der umstrittene Spitalscampus ist nunmehr beschlossene Sache, die Vorbereitungen zur Verlegung und Zusammenführung von Spitalsabteilungen haben bereits begonnen. Ob dabei die Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge der Vorarlberger Ärztekammer bei Land und KHBG Gehör finden, bleibt abzuwarten. Auf drei wesentliche Dinge kann man nicht warten, da gilt es seitens des Managements sofort zu handeln, um die Versorgungssicherheit in den heimischen Krankenhäusern nicht zu gefährden: Mitarbeitende halten, Personal gewinnen und die Leute entlasten statt belasten. Doch der Reihe nach:
Zunächst einmal müssen Mitarbeitende gehalten werden. Eine
nachhaltige Bindung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erfordert
allerdings eine zeitgemäße Führungskultur, verbindliche und
transparente Kommunikation sowie ein häuserübergreifendes,
strukturiertes Patienten- und Ressourcenmanagement. Das sollte
selbstverständlich und gelebter Teil einer funktionierenden
Organisation sein. Wenn diese Anforderungen jedoch auf regulärem Weg
nicht umgesetzt werden, bleibt ihre Durchsetzung im Rahmen von
Betriebsvereinbarungen oft das letzte wirksame Instrument der
Ärzteschaft. Ein funktionierendes Eskalationsmanagement und eine
moderne Führungskultur liegen im ureigensten Interesse der KHBG. Sie
sollten nicht erst im Zuge von BV-Verlängerungen eingefordert werden
müssen, sondern gelebter Standard sein.
Personal muss nicht nur gehalten, es muss auch neues gewonnen
werden. Die Rekrutierung junger Ärztinnen und Ärzte wird jedoch massiv
untergraben, wenn trotz schriftlicher Stellenzusage wenige Tage oder
Wochen vor Dienstantritt der Rotationsplan infrage gestellt oder der
erste Arbeitstag faktisch neu verhandelt wird. Ein derartiges Vorgehen
– wie leider passiert – ist arbeitsrechtlich problematisch,
reputationsschädigend und konterkariert sämtliche Bemühungen im
Recruiting. Das Ergebnis ist ein nachhaltiger Attraktivitätsverlust
des Spitalscampus als Arbeitgeber. Vertrauen, Planbarkeit und
Glaubwürdigkeit – zentrale Faktoren im Wettbewerb um qualifizierte
Ärztinnen und Ärzte – werden dadurch systematisch beschädigt. Hier ist
das Management gut beraten, für das Halten und Gewinnen von
Spitalsmitarbeitenden alte Muster abzulegen und neue Wege zu beschreiten.
Und drittens braucht es im Bereich der Technologisierung mehr
Entlastung als zunehmend neue Belastung. Die bestehende
Krankenhaus-EDV ist hochgradig fragmentiert und verfügt über keinerlei
durchgängige Vernetzung – weder intramural noch extramural mit dem
niedergelassenen Bereich, der Sozialversicherung oder anderen
Rechtsträgern. Eine spürbare Erleichterung des klinischen Alltags
bleibt aus. Im Gegenteil: Die Systeme sind ineffizient,
arbeitsverdichtend und stehen dem medizinischen Kerngeschäft zunehmend
im Weg.
Parallel dazu nimmt die Zahl an Dokumentationspflichten,
zusätzlichen Assessments und Codierungsanforderungen kontinuierlich zu
– häufig ohne erkennbaren medizinischen oder organisatorischen
Mehrwert. Diese Tätigkeiten sind nicht delegierbar. Strukturierte,
priorisierbare Postfachsysteme fehlen ebenso wie eine sichere,
einheitliche Kommunikationsplattform.
Das daraus entstehende zusätzliche Arbeitsvolumen ist im
Dienstposten- bzw. Stellenplan nicht abgebildet. Die Konsequenzen sind
im Alltag deutlich spürbar: zunehmende Arbeitsverdichtung zulasten von
Patientenversorgung, Ausbildung, Weiterbildung und
Mitarbeitergesundheit. Diese Entwicklung ist strukturell bedingt und
kann nicht durch individuelles Engagement kompensiert werden. Auch
hier muss das Spitalsmanagement dringend agieren – damit das neue Jahr
auch ein gutes werden kann.