Generationswechsel

Versorgungsengpässe sind in der Medizin besonders heikel, weil es unmittelbar um Menschen und deren Gesundheit geht.

In der chronischen Personalmangel- respektive Überlastungssituation führt die alternativlose Patientenversorgung (24/7) zu Frustration und Ausbrennen. Die Balance stimmt nicht mehr und die Folgen sind allenthalben sichtbar und äußerst besorgniserregend. 

Die Gründe dafür sind vielschichtig, die Pandemie alleine ist es sicher nicht, wenn sie auch ein gewichtiger Dekompensationsfaktor sein dürfte. Die zunehmende Ökonomisierung der Medizin scheint an ihre Grenzen zu stoßen, denn letztlich geht es nicht um Zahlen, sondern um die Menschen auf beiden Seiten.

Eine äußerst brisante (gesellschaftliche) Herausforderung sind die seit langem bekannten demografischen Gegebenheiten.

Auf die eklatanten Unterschiede der Jahrgangsstärken mit dem sog. „Pillenknick“ Mitte der 1960er Jahre und dessen logischer Konsequenz („Baby-Boomer-Pensionierungswelle“) weisen wir seit Jahr und Tag hin. Vorausschauend agiert wurde seitens der Organisationsverantwortlichen jedoch nicht.

Dieses antizipierbare Problem wurde heruntergespielt und die Organisation dahingehend nicht adäquat entwickelt (zB. entsprechende Anpassung der Stellenpläne mit ambitioniertesten Rekrutierungsmaßnahmen!). Dieser enorme Verlust an ärztlicher Erfahrung ist nicht ohne maximale Anstrengung zu kompensieren. Jetzt ist das Momentum nicht mehr auf ihrer Seite. Zu einem manifesten circulus vitiosus sollte/darf es nicht kommen, denn der ist bekanntlich schwer zu durchbrechen.

Andererseits ist das Generationenthema natürlich ein ewiges und nichts Neues.

Die jüngeren Generationen haben einen anderen Zugang zur Arbeit, insbesondere was den Arbeitsanteil in ihrem Leben betrifft. Dafür gibt es mehrere Gründe, der allgemeine gesellschaftliche Wandel ist der ausschlaggebende. Die Kinder („Baby-Boomer“) der Kriegskinder wurden ins sogenannte „Wirtschaftswunder“ der Nachkriegszeit hineingeboren, in welchem Arbeit und Schaffen oberste Priorität hatten. So – in autoritärem Umfeld – wurden sie groß, und so sind sie in ihr Berufsleben eingetreten.

Dieses „Wunder“ hat sozio-ökonomischen Wohlstand geschaffen, in welchen nachfolgende Generationen hineingeboren wurden, die in einer stark veränderten, liberaleren Gesellschaft groß geworden sind.

Diese Generationen treffen irgendwann auch in der Arbeitswelt aufeinander und müssen dort ein Gemeinsames bilden, welches ständig ausgeglichen und verhandelt werden muss. Damit das gelingt, sind wechselseitiger Respekt, Verständnis und Akzeptanz der (historischen) Gegebenheiten unabdingbare Voraussetzungen. Ein ausgewogenes Geben und Nehmen verhindert den „Gap“ und ermöglicht ein prosperierendes gemeinsames Berufsumfeld, in welchem gearbeitet, vermittelt und gelernt werden kann. Und das wird auch im Großen und Ganzen so gelebt.

Für die adäquate infrastrukturelle Organisation dieses sehr komplexen Arbeitsumfeldes werden jedoch andere bezahlt. Wenn das Versorgungssystem kracht, sind ausschließlich sie in die Verantwortung zu nehmen. Auf diese Verantwortlichkeit haben wir nicht zuletzt zu unserem eigenen Schutz stets hinzuweisen.

PS: Kritik an unserem Tun nehmen wir am liebsten direkt entgegen, weil so allfällige Missverständnisse am besten auszuräumen sind und Anregungen direkt adressiert werden können.